Heim ins Reich

von Volker Schmidt

Die NPD sucht eine neue Druckerei für ihre Partei­zeitung Deutsche Stimme (DS). Das Blatt wurde bis­lang im Aus­land ge­druckt – erst in Po­len und dann in Litauen. Die wohl aus Kosten­gründen vor­genommene Verlage­rung der Pro­duk­tion sorgte für Spott und Kri­­tik, weil sie sich kaum mit der Ideo­lo­gie der Heraus­geber ver­ein­baren ließ. Jetzt wol­len die Rechts­extre­men offen­bar “heim ins Reich”: Die Offen­bacher Druckerei Voice-Design teilt mit, sie habe eine An­frage der Deutsche Stimme Verlags-GmbH er­hal­ten.

Jens Pühse, Geschäfts­führer des DS-Verlages, be­stätig­te der Frank­fur­ter Rund­schau auf An­frage, “wir sind wieder auf Druckerei­suche”. Der­zeit werde die Zei­tung in Litauen ge­druckt – “das können Sie ja im Ver­fas­sungs­schutz­bericht nach­lesen”.

Die Deutsche Stimme ist das Partei­organ der rechts­extremen National­demo­kra­ten. Holger Apfel, NPD-Bundesvize und säch­si­scher Fraktions­chef, fun­giert als Chef­redak­teur der “Monats­zeitung für Poli­tik und Kul­tur”, Vize­chef ist Fraktions­presse­sprecher Holger Szymanski. Zur Redak­tion ge­hö­ren auch Partei­größen wie Nieder­sachsen-Spitzen­kandidat Andreas Molau und die Bundes­vorstands­mitglie­der Jürgen W. Ganser und Sascha Roßmüller.

Der Inhaber der Druckerei Voice-Design, Andreas Bender, war nach ei­ge­nen An­gaben von der An­frage der Rechts­extremen über­rascht: “Wir arbei­ten nicht für jeden. Firmen, die bei­spiels­weise auf Kinder­arbeit setzen, Tier­ver­suche durch­führen oder eben auch menschen­verachten­des Ge­dan­ken­gut ver­brei­ten, können gleich wie­der gehen”, teilte Bender mit.

Die DS, für die der Ver­lag ein An­gebot ein­holen wollte, hat immer­hin eine monat­liche Auf­lage von nach eige­nen An­gaben rund 25.000 Exem­pla­ren. Dass Bender sich den Auf­trag ent­gehen lässt, begrün­det er so: “Meiner Mei­nung nach ist das, was NPD und Deutsche Stimme ver­brei­ten, klar Faschismus-, kriegs- und gewalt­verherr­li­chend – kurz: menschen­verach­tend.”

Voice-Design weist in seinen Image­broschü­ren und auf seiner Web­site unter ande­rem mit dem Slogan “ethisch bewusst. fair. preiswert.” auf die ethische Basis des Unter­nehmens hin. Viel­leicht, so Bender süffi­sant, hätten die Herren bei der NPD sich ja ver­lesen: “Wir sind nicht ethnisch bewusst sondern ethisch bewusst.”

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Rundschau.
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