Aktuell:
voice-design in den Medien

Rechtsextreme “Deutsche Stimme”
auf Druckerei-Suche
NPD will Zeitung ausgerechnet bei
linkspolitischer Druckerei drucken

Offenbach am Main/Riesa (LIZ). Die Monatszeitung “Deutsche Stimme” ist auf Druckerei-Suche. Die Publikation der Nationaldemokratischen Partei Deutsch­lands (NPD) geriet bereits im Sommer 2005 in die Schlag­zeilen, als bekannt wurde, dass aus­gerechnet diese in Polen (später in Litauen) ge­druckt wird. Nun soll wohl wieder im „Vater­land“ pro­du­ziert werden – und wenn es nach dem be­kann­ten Neo-Nazi Adrian Preißinger geht, dann wohl in einer links­politischen Druckerei.

In seiner schriftlichen Anfrage an “voice-design – Werbung, Design & Druck” bat Adrian Preißinger im Namen der Deutsche Stimme Verlag GmbH um ein Angebot für die Pro­duktion der „DS Monatszeitung“. Es geht um eine jährliche Auflage in Höhe von über 260.000 Zeitungen. Doch voice-design-Inhaber Andreas Bender lehnte ab: „Für mich war sofort klar, dass so etwas nicht in Frage kommt.“

Bender wollte aber die Anfrage nicht einfach nur ent­sorgen, sondern das wichtige Thema Rechts­radikalis­mus wieder auf den Tisch bringen. “Ich habe mir die Website des Verlages und auch die des an­ge­schlosse­nen Versand­handels an­gesehen und mir gefror das Blut in den Adern”, erzählt Bender. “Es kann doch nicht sein, dass jedes Jahr über 260.000 Exemplare dieser rechten Schriften in den Umlauf gebracht werden dürfen – wer schützt hier eigentlich die All­gemein­heit vor dem Wieder­aufkommen des National­sozialis­mus?”

Herausgeber der Monatszeitung Deutsche Stimme ist die immer wieder vom Ver­fassungs­schutz beobach­tete National­demokrati­sche Partei Deutsch­lands (NPD). Zu den be­kanntes­ten Vorstands­mitgliedern zählen wohl Udo Voigt (Partei­vorsitzen­der) und Jürgen Rieger (Referat Außen­politik). Der Verlag mit Sitz in Riesa betreibt außerdem Das nationale Waren­haus, einen Versand­handel im Internet. Dort ist nahezu alles zu bekommen, was das Faschisten­herz begehrt: Von Blech-Schildern mit der Aufschrift „Rudolf-Heß-Straße“, „Wolfschanze“ oder „Deutsche Männer im wehrfähigen Alter gehören in den Stahlhelm“ über Büsten von Rudolf Heß und Wehrmachts­soldaten, Kleidung und Auf­klebern (teilweise mit den Umrissen des Deutschen Reiches) bis hin zu Büchern und CDs.

Im Bereich Musik kennt sich auch Adrian Preißinger aus: Nach seiner Ver­urtei­lung wegen Volks­verhetzung im Jahre 1992 zog er sich in ein seiner Meinung nach “ver­folgungs­sicheres Land” zurück. Von der Slowakei aus knüpfte er Kontakte zu Press­werken im Raum Prag und in Italien, in manchen Quelle ist auch von Ungarn, Thailand, Taiwan und Skan­dina­vien die Rede. Durch diese Kontakte wurde Preißinger zum An­sprech­partner für neo­nazisti­sche Bands, die aufgrund ihres straf­baren Inhalts ihre CDs in Deutsch­land nicht pro­duzieren lassen konnten. Im Dezember 2002 wurde Preißinger erneut wegen Volks­verhetzung ver­urteilt. Rund 3.000 CDs sowie die Ein­nahmen aus dem Verkauf von ca. 46.000 CDs wurden be­schlag­nahmt.

Dass die Rechten gerade bei voice-design angefragt haben, ist für den in vielen sozialen Bereichen engagierten Andreas Bender völlig un­ver­ständ­lich. Von An­beginn leitet er das Unternehmen nach ethi­schen Grund­sätzen. “Es mag viel­leicht hoch­trabend klingen, aber wir arbeiten nicht für jeden. Firmen, die beispiels­weise auf Kinder­arbeit setzen, Tier­versuche durchführen oder eben auch menschen­verach­ten­des Gedanken­gut ver­breiten, können gleich wieder gehen”, betont Bender.

“Und meiner Meinung nach ist das, was NPD und Deutsche Stimme ver­breiten, klar Faschismus-, kriege- und gewalt­verherrlichend – kurz: menschen­verachtend.” Tat­säch­lich weist voice-design in seiner Image­broschüre, auf der Web­site und sogar im Firmen-Slogan (“ethisch bewusst. fair. preiswert.”) klar auf die ethische Basis des Unter­nehmens hin. “Wir sind nicht ethnisch bewusst, sondern ethisch bewusst”, betont Bender mit einem Augen­zwinkern.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Linkszeitung.