Was gibt's Neues bei voice-design?

21. September 2016

Wie ökotabel ist Ökotabel?

Austritt aus dem Beirat und Rückgabe der Zertifizierung.

Im letzten Newsletter berichteten wir geradezu enthusiastisch über die neue Ökotabel-Zertifizierung. Leider mussten wir nun aber feststellen, dass Idee und Realität weit auseinanderzuklaffen scheinen. Eine klare Stellungnahme.

Liebe Kundinnen und Kunden,
liebe Freundinnen und Freunde,

in den letzten Wochen warben wir hier öfters für Ökotabel – Authentisch und Nachhaltig. Von der Idee sind wir auch bis heute begeistert: eine wirklich umfassende Zertifizierung, die sich nicht nur an ökologischen, sondern auch ethischen Maßstäben orientiert. Deshalb haben wir uns auch direkt ein­gebracht, haben an diesem Projekt mitgearbeitet und eben auch dafür ge­wor­ben.

Laut Gerrit Jessen sind Milchbetriebe bis 80 Tieren nicht als Massentierhaltung zu bezeichnen und somit auch ökotabel. Dass auch in solchen Betrieben Tiere ausgebeutet und getötet werden, auch für diese Tiere Nahrungsmittel massivst verschwendet werden, der Hunger in der Welt angeheizt, Natur zerstört und der Klimawandel vorangetrieben wird, ist Jessen bewusst. Für ihn verdienen solche Betriebe dennoch das Ökotabel-Siegel. Dieses Foto wurde im Oktober 2014 in einem kleinbäuerlichen Milchbetrieb in Osthessen aufgenommen. Foto: www.vegan-heute.de

Laut Gerrit Jessen sind Milchbetriebe bis 80 Tieren nicht als Massentierhaltung zu bezeichnen und somit auch ökotabel. Dass auch in solchen Betrieben Tiere ausgebeutet und getötet werden, auch für diese Tiere Nahrungsmittel massivst verschwendet werden, der Hunger in der Welt angeheizt, Natur zerstört und der Klimawandel vorangetrieben wird, ist Jessen bewusst. Für ihn verdienen solche Betriebe dennoch das Ökotabel-Siegel. Dieses Foto wurde im Oktober 2014 in einem kleinbäuerlichen Milchbetrieb in Osthessen aufgenommen. Foto: www.vegan-heute.de

Doch leider weicht die Ökotabel-Realität immer deutlicher von der Ökotabel-Idee ab. Mehrmals wurden Anstalten gemacht, Produkte / Firmen zu zer­ti­fi­zie­ren, die Ausbeutung fördern / beinhalten. Dabei schließt die for­mu­lier­te Ökotabel-Idee genau das aus. Und sowohl der Ideengeber selbst, Gerrit Jessen, als auch dessen rechte Hand, Achim Blume, fielen durch das Verbreiten rechtsoffener bis rechtsradikaler Seiten auf Facebook auf. Jessen leugnete den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), Blume attestierte dem US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, Klartext zu reden.

Auf seinem Facebookprofil teilte Gerrit Jessen ein Video, in dem der Kampf gegen Rassismus, Sexismus u.a. lächerlich gemacht wird. Das Video wurde von der Facebookseite Grauzonistische Reaktion hochgeladen, die sich selbst als Bündnis nationaler, konservativer und patriotischer Bürger bezeichnet, welches ein Zeichen setzen will gegen die Islamisierung, die EU, die volksverräterischen Regierungen, den Zionismus, die US-amerikanische Kriegstreiberei und die linksfaschistische Antifa.

Auf seinem Facebookprofil teilte Gerrit Jessen ein Video, in dem der Kampf gegen Rassismus, Sexismus u.a. lächerlich gemacht wird. Das Video wurde von der Facebookseite Grauzonistische Reaktion hochgeladen, die sich selbst als Bündnis nationaler, konservativer und patriotischer Bürger bezeichnet, welches ein Zeichen setzen will gegen die Islamisierung, die EU, die volksverräterischen Regierungen, den Zionismus, die US-amerikanische Kriegstreiberei und die linksfaschistische Antifa.

Alles nur Missverständnisse? Haben Jessen und Blume einfach nicht richtig recherchiert? Die Profile sind leider voll mit Likes von / Links zu Seiten mit in meinen Augen verschwörungstheoretischer, antisemitischer, völkischer Hetze. Von einem Einzelfall kann also leider nicht die Rede sein. Und so stellt sich die Frage, wie verlässlich Ökotabel bei der Überprüfung und Zertifizierung der Unternehmen und Organisationen sein wird, wenn es nicht einmal allseits be­kannte rechte Medien einordnen kann.

Das Ökotabel-Logo.

Das Ökotabel-Logo.

Die Ökotabel-Idee, so wie sie immer wieder formuliert wurde, ist nach wie vor sehr gut und auch immens wichtig. Umso trauriger ist es für uns, realisieren zu müssen, dass zumindest zwei der maßgeblichen Ökotabel-Köpfe nicht da­hin­ter stehen und dem Projekt damit seine Glaubwürdigkeit und Seriosität rauben.

Als ich mich mit voice-design selbständig machte, ging es mir darum, meine Ziele nicht mehr verraten zu müssen. Eine Mitarbeit bei Ökotabel, so wie das Projekt beschrieben wurde, wäre mir eine Ehre gewesen. So, wie sich Ökotabel gerade entwickelt, würde ich allerdings dabei helfen, ein gigantisches Green- und Whitewashing-Unternehmen zu erschaffen. Daher kündigte ich gestern meine Mitarbeit auf. Ich legte meinen Posten im Ökotabel-Beirat nieder und werde auch keine weiteren Aufträge mehr für Ökotabel ausführen. Die bereits erfolgte Ökotabel-Zertifizierung gab ich zurück. Alte Beiträge, die auf unserer Facebookseite für Ökotabel warben, löschten wir.

Ich möchte mich in aller Form dafür entschuldigen, dass ich für Ökotabel warb und teilweise sogar Unternehmen für den Ökotabel Award nominierte. Ich ließ mich von den mehrstündigen Gesprächen blenden, in denen der Eindruck entstand, sie wären fast zu 100% auf einer Wellenlänge mit mir bzw. uns. Heute glaube ich, dass sie einfach genau wussten, was sie sagen müssen, um uns für ihr Projekt zu gewinnen. Aus diesem Fehler werden wir lernen müssen.

Andreas Bender
Gründer und Inhaber von voice-design | Werbung, Design & Druck