Andreas Bender:
Die Macht des Tropfens

Werbeagenturen haben nicht gerade den Ruf, besonders ehrlich zu sein. Und damit wird ihnen in den meisten Fällen nicht einmal Unrecht getan. Doch Marketing an sich ist eine gute Sache: Gerade nachhaltige Un­ter­nehmen sollten werben und ihren Stand am Markt festigen. Aber als An­ge­stell­ter steht es dir nicht zu, Kunden aus ethischen Gründen ab­zu­leh­nen. Deshalb gründete ich meine eigene Werbeagentur und Druckerei und biete nun den Firmen mein Know-how und meine Arbeitskraft an, die ich guten Gewissens unterstützen kann – und trage somit dazu bei, dass diese Welt ein kleines bisschen besser wird.

Ja, ja, ich Weltverbesserer… “Optimismus ist nur ein Mangel an In­for­ma­tion”, schallt es in meinem Ohr. Immer öfter denke ich an diese Worte von Schrift­steller und Regisseur Heiner Müller. Fast täglich. Und immer öfter schei­tere ich bei dem Versuch, sie zu widerlegen.

Aus Fehlern wird man klug.
Jahr für Jahr treffen sich die Regierungen dieser Welt zum Klimagipfel. Seit über zwei Jahrzehnten nun schon. Und was haben die Konferenzen für das Klima erreicht? Meist einigte man sich darauf, dass man sich mal irgendwann einigen müsste. Unsere Atmosphäre heizt sich währenddessen immer schnel­ler auf.

Seit Jahrzehnten liegen Baupläne für verbrauchsarme Ver­bren­nungs­motoren in den Schubladen der Automobilindustrie. Sie verstauben dort, denn Klima hin oder her: es soll ja weiterhin am Öl verdient werden. Eine Ölpest wie 2010 im Golf von Mexiko oder seit fünfzig Jahren im Niger-Delta sind „Kollateral­schäden“ und schnell wieder vergessen. Schon heute gibt es wieder mehr aktive Öl­bohr­platt­formen im Golf von Mexiko als vor der von BP ver­ur­sach­ten Um­welt­katas­tro­phe.

Das AKW Fukushima Daiichi. Foto: Derek Visser

Das AKW Fukushima Daiichi. Foto: Derek Visser

Tepco, der Betreiber des Pannenreaktors Fu­ku­shi­ma Daiichi, be­haup­te­te ein Jahr nach dem Super GAU, die La­ge sei wie­der un­ter Kon­trol­le. Sie ist es bis heute nicht. Die Bun­des­regie­rung, die vor dem Reaktor­unglück den rot-grünen Atom­aus­stieg stoppte, hol­te die­sen an­schließend wie­der aus der Schub­lade und stell­te die ers­ten deut­schen Kern­kraft­werke ab. Zu groß war die Angst vor einer schal­len­den Ohr­feige bei den Land­tags­wah­len. Als Tepco behauptete, dass fast schon wieder alles in Ord­nung sei, wollte sie den Bau eines be­reits in den 1970er Jahren ge­plan­ten und somit schon vor Bau­beginn rest­los ver­alte­ten Atom­kraft­werks in Bra­si­lien mit einer Milliar­den­bürg­schaft för­dern. Die Bürgschaft ist nur deshalb wieder vom Tisch, weil der Druck der Wählerinnen und Wähler zu groß wurde. Trotz der Proteste sind weiterhin Bürgschaftsanfragen für AKW-Neubauten in Großbritannien, Finnland, Indien und Russland aktuell. Zudem torpediert die Regierung über Steuern und Sub­ven­tio­nen die eigene Energiewende. Was geschieht in Japan? Die Grenz­werte für die Strah­len­belas­tung von Lebens­mitteln wurden dras­tisch erhöht – na, dann ist ja alles wieder im grünen Be­reich. Auch für uns, denn die Euro­päi­sche Union über­nahm diese höheren Grenz­werte für ja­pa­ni­sche Lebens­mittel. Auch Pro­dukte aus der Tschernobyl-Region dürfen sechs­mal höher be­lastet sein. Lebens­mittel, die auf­grund zu hoher Strahlen­belas­tung in der Ukraine und Weiß­russ­land aus­sor­tiert werden, dür­fen da­mit in die EU expor­tiert wer­den.

Aus Fehlern wird man klug, heißt es im Volks­mund. Doch die Mensch­heit be­müht sich bei Kräften, dumm zu bleiben. Sonst würde sie sich all das nicht bieten lassen.

Ist dem wirklich so?
Will die Menschheit nichts wissen? Vielleicht aus Angst, an der Ohnmacht ge­genüber den Mächtigen zu zerbrechen? Zugegeben: Das Geflecht aus Politik und Wirtschaft ist scheinbar schwer zu durchdringen. Doch dann gibt es Er­eig­nis­se, aus denen ich wieder Kraft schöpfen kann und an denen ich er­kenne: Auch Wirtschaft und Politik kochen nur mit Wasser.

In Japan – dem Land, in dem die Menschen nach der Reaktorkatastrophe erst lernen mussten, zu demonstrieren – verhindert ein kleines Küstendorf seit drei Jahrzehnten den Bau eines Atomkraftwerkes. Immer dann, wenn die Bau­arbei­ter anrücken, blockieren die meist im Rentenalter befindlichen Dorf­bewoh­ner die Baustelle.

Auch in Deutschland hat die Anti-Atom-Bewegung eine lange Tradition: Seit Jahrzehnten stellen sich zehntausende Menschen den Atommülltransporten in den Weg. Natürlich ist jedem vollkommen klar, dass der Atommüll sein Ziel erreichen wird. Doch die Proteste sind ein klares Zeichen an Atomindustrie und Politik, dass das Treiben nicht länger toleriert wird. Jedes Jahr beteiligen sich mehr Menschen daran, jedes Jahr dauern die Transporte länger und kosten mehr Geld.

Stuttgart21 trieb Groß und Klein auf die Straße.

Stuttgart21 trieb Groß und Klein auf die Straße.

Die Erfolge dieser Volks­aufstände spra­chen sich auch im eher kon­ser­va­ti­ven Baden-Württem­berg herum. Zehn­tau­sen­de gin­gen ge­gen “Stutt­gart 21” auf die Straße. Und sie wa­ren so von sich über­zeugt, dass selbst das harte Vor­ge­hen der Po­li­zei die Pro­tes­te nicht bre­chen konn­te.

In Frankfurt am Main und manch an­de­ren Städten de­mon­strie­ren seit Jah­ren je­de Wo­che die Men­schen da­ge­gen, dass Pro­fite über ihre Ge­sund­heit ge­stellt und sie rund um die Uhr dem Flug­lärm aus­ge­setzt wer­den.

Unzählige Bürgerinnen und Bürger, die bis­lang mehr oder we­niger vor sich hin­gelebt hatten, er­kann­ten, dass sie in der Masse sehr wohl etwas be­wegen können. Nicht die Wirt­schaft ist die größte Macht im Land – wir Ver­brau­cherin­nen und Ver­brau­cher sind es. Wir haben nur noch nicht gelernt, diese Macht zu nutzen.

Konsum gegen Profitgier
Wir alle können die Welt ein Stückchen besser machen. Beispiel Klimawandel: Nahezu jeder macht sich darum Sorgen. Dabei kann ihm jeder von uns entgegenwirken. 58 Milliarden Tiere werden jedes Jahr für die Produktion von Fleisch, Eiern und Milch getötet. Der Anbau der Futtermittel nimmt immer mehr Platz in Anspruch und vernichtet damit auch die für unser Klima so wichtigen Urwälder Afrikas und Südamerikas. Der Transport der Futtermittel in die Industrienationen verursacht riesige Mengen Kohlendioxid. Hinzu kommt der Methanausstoß der Tiere, der dem Klima noch stärker schadet, als alle PKW, LKW, Busse, Züge, Schiffe und Flugzeuge zusammengenommen. Ändern wir unsere Er­näh­rungs­gewohn­hei­ten, schützen wir das Klima.

Auch der Einsatz von Recyclingpapier kann viel dazu beitragen: Deutschland ver­brau­cht mehr Papier als alle Völker Afrikas und Lateinamerikas zu­sam­men. Innerhalb eines Jahres könnten wir einen Papierstapel von 16.000 km Höhe errichten. Zum Vergleich: Die Raum­station ISS schwebt gerade einmal in 400 km über der Erde. Für die Papierproduktion werden Un­men­gen an Energie benötigt und CO2 ausgestoßen. Der Klimaschutz beginnt am Schreibtisch: Verwende Recyclingpapier.

Der Großteil der Deutschen (80 Prozent) spricht sich gegen die Kernenergie aus – dennoch beziehen weiterhin mehr als 90 Prozent der Deutschen Atom­strom. Dabei ist der Wechsel des Energielieferanten nicht nur einfach, son­dern kann überdies günstiger sein. Weil es uns um die Sache geht, möch­ten wir die Energiewende mit Ihnen gemeinsam beschleunigen und bieten für einen Wechsel zu unserem Partner naturstrom einen 40€-Gutschein an.

Foto: laszlo-photo

Foto: laszlo-photo

Waren aus kontrolliert bio­lo­gi­schem Anbau und fai­rer Produktion erfreuen sich immer größerer Be­liebt­heit. Je mehr sich die Bürger_innen ih­rer im­men­sen Macht be­wusst wer­den, des­to schnel­ler wird der Wan­del auch voll­zogen. Das Pro­dukt ist nicht bio oder fair? Dann kau­fen wir es nicht. Wer Geld hat re­giert, aber wem kein Geld ge­ge­ben wird, kann folg­lich auch nicht re­gie­ren. So kompliziert unsere Welt auch geworden ist: Diese Regel hat Bestand. Nutzen wir sie!

Jeder von uns allein genommen ist nur ein Wassertropfen, doch aus vielen Wassertropfen können mächtige Wasserfälle werden.

Andreas Bender
Geboren 1977 in Offenbach am Main. Gründer und CEO der ethisch basierten Werbeagentur und Druckerei voice-design | Werbung, Design & Druck.